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  • katikgs

"NEIN!"...


… Dieses Wort begegnet mir im Training von Menschen mit ihren Hunden leider nur allzu häufig. Wenn ich dann die Besitzer des Hundes frage, was “Nein” dem Hund sagen soll, bekomme ich oft die Aussage: “Er soll einfach aufhören.”

Aber wie soll der Hund mit einem Verhalten aufhören, was er, als richtig erachtet? Welches dann auch noch Erfolg bringt und es aus seiner Sicht keine Alternative dazu gibt?


So wurde ich zu einem verhaltensauffälligen Hund gerufen, den ich mir im Anschluss des ausführlichen ersten Gesprächs mit den Besitzern auch bei einem Spaziergang anschaute.

In weniger als zehn Minuten, in der ich die Interaktion zwischen Besitzer und Hund beobachtete, kam ich auf 23 mal “Nein”, ohne dass der Hund weitere Informationen erhielt. Bevor die Situation endgültig kippen konnte, weil der Besitzer mittlerweile sehr frustriert über die Ignoranz seines Hundes war, griff ich selbstverständlich ein. Wir vergrößerten einfach den Abstand soweit, dass der junge Hund die, für ihn sehr bedrohliche Situationen mit anderen Menschen und Hunden aushalten konnte.

Ich erklärte die Sichtweise von Hunden, die Lenkmechanismen und erstellte einen Trainingsplan.

Mittlerweile trainieren wir regelmäßig miteinander und innerhalb kürzester Zeit konnten wir den, zugegebenermaßen erheblich Abstand von schätzungsweise 100 m zu bedrohlichen Auslösern, um die Hälfte verringern.

Das Training besteht immer aus vielen Elementen und Aspekten, die den Hund aber natürlich auch die Leistungsfähigkeit des Menschen im Fokus hat. Je länger ein Hund in unseren Augen falsches Verhalten zeigt und somit auch immer wieder übt, umso länger wird auch die Zeit des Umlernens.

Manchmal ist es ein schleichender Prozess mit vielen Lernerfahrungen, manchmal reicht ein traumatisches Ereignis, um unerwünschtes Verhalten auszulösen. Sicher ist in jedem Fall, dass es ebenfalls ein Prozess ist diese Fehlverknüpfungen zu lösen und umzulenken.

Einfach einen Deckel darauf zu machen (was bei Strafe ja passiert) ist nicht gut. Denken sie mal an einen Schnellkochtopf, bei dem der Dampfdruck nicht entweichen kann...

Ich habe grundsätzlich kein Problem mit dem Wort “Nein” als Abbruchsignal. Aber ich habe damit ein Problem damit dem Hund keine Alternativen zu seinem Verhalten anzubieten, ihn anzuschreien oder sogar schmerzhaft körperlich auf ihn einzuwirken.

Auch ein “Nein” als Abbruchsignal kann nett aufgebaut werden, ohne ungerecht oder strafend zu sein.

Es ist unsere Aufgabe herauszufinden, was die Motivation des Hundes ist dieses Verhalten zu zeigen. Also was er damit bezweckt und welches Alternativverhalten seiner Motivation am nächsten kommt. Was kann ich ihm, als Ausweg aus dieser Situation beibringen? Weiter ist es auch unsere Aufgabe, so eine gute vertrauensvolle Bindung aufzubauen, dass unser Hund sich in schwierigen oder ängstigenden Situationen an uns wendet, weil er darauf vertrauen kann, dass wir die Situation nett und fair lösen.

Wird allerdings immer nur mit einem Abbruchsignal gearbeitet, ohne weiteres Training, dann entstehen auch allzu leicht Verhaltensketten. Ein Beispiel: Ein junger Hund hat Freude daran die Nachbarshühner zu jagen. Er kommt nicht an diese heran, aber in den Zaun zu springen, um das Federvieh mal richtig aufzuscheuchen macht auch Spaß. Es wurde ein Verhaltensunterbrecher nett aufgebaut und der Rückruf funktioniert ebenfalls. Also wird der kleine Mann in seinem Tun, die Hühner zu beschleunigen, unterbrochen und im Anschluss zu Frauchen gerufen, die sich über den gelungenen Rückruf freut und eine Belohnung springen lässt.

Und was ist nun daran falsch? Erst einmal nix!

Allerdings wird die Fellnase dieses “Spiel” immer so weiter machen, die Hühner wahrscheinlich vor Stress keine Eier mehr legen, der Nachbar sauer werden und Frauchen wahrscheinlich irgendwann die Krise bekommen.

Eine Verhaltenskette ist entstanden:

Gegen den Zaun springen = Hühner flattern = Mama ruft = ich bekomme eine Belohnung!

Genau wie bei uns Menschen ist die Psyche des Hundes sehr vielschichtig und spannend. Im Gegensatz zu uns Menschen kann man einem Hund jedoch nicht erklären warum sein Verhalten falsch ist. Hunde reagieren in verschiedenen Situationen unterschiedlich. Genau wie bei uns Menschen ist ihr Tun erst einmal immer emotionsgesteuert und somit sehr individuell. Deshalb ist es so wichtig herauszufinden, warum der Hund tut, was er tut. Hat er Angst, macht es Spaß, ist er unsicher oder ist er tatsächlich Jahrhunderte lang auf dieses Verhalten selektiert gezüchtet worden. Welche Faktoren spielen noch eine Rolle, Lernerfahrung, Bindung oder auch Bestätigung des Verhaltens.

Ich will euch nicht mit endlosen Abhandlungen langweilen, aber ich möchte euch sensibilisieren und ermuntern euch qualifizierten Rat zu holen.

Ganz vereinfacht: Ein Hund der für die Jagd gezüchtet wurde, wird jagen! Ein Hund, der schützen soll, wird schützen. Ein Hund, der gebissen oder gemobbt wurde oder Schmerzen hat, wird sich verteidigen. Ein Hund der für ein unerwünschtes Verhalten gestraft wird, könnte sich aus Angst verteidigen oder resignieren, aber in keinem Fall eine gute, vertrauensvolle Bindung zu seinem Halter aufbauen.

Nicht nur wir Menschen brauchen manchmal Hilfe von außen, sondern auch den Tieren, speziell hier den Hunden, muss manchmal geholfen werden. Ein unverstellter Blick von außen, kann manchmal schon viel bewirken. Es bedarf nicht immer eines langwierigen, kostspieligen Trainings. Manchmal reicht schon ein Umdenken und kleine Veränderungen, um ganz viel positiv zu verändern.

Bitte wartet nicht, wenn euer Hund problematisches Verhalten zeigt, sondern wendet euch frühzeitig an ausgebildete und positiv arbeitende Kollegen oder mich!

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