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Warum ich nur mit Geschirr arbeite?

Aktualisiert: 7. Dez. 2021

Ich möchte an dieser Stelle keine seitenlange Abhandlung mit lauter Fachbegriffen zu diesem Thema schreiben, bei der Sie wahrscheinlich nach der Hälfte weiterclicken.



Des Weiteren gibt es hierzu schon mehr als genug Artikel und Diskussionen unter Fachleuten und Laien. Dieses Thema scheint überall präsent.

Ich möchte ihnen einfach erklären, warum ICH mit dem Geschirr arbeite und dies auch meinen Kunden nahelege!


Ich habe grundsätzlich kein Problem mit normalen Halsbändern, denn auch ein schlecht sitzendes Geschirr kann dem Hund langfristig körperlichen Schaden zufügen. ABER: Wenn ein Hund nicht 100%ig entspannt und mit immer durchhängender Leine laufen kann, sollte er eben nicht am Halsband geführt werden!


Ich möchte hier auf die zwei entscheidende Gründe eingehen!


1. Physiologisch! Hierzu gibt es viele tolle fachliche Artikel von Tierärzten, Physiotherapeuten und Tierheilpraktikern (z.B. https://www.tierheilpraxis-eichen.de/halsband-vs.-geschirr oder https://www.tierarzt-rueckert.de/blog/details.php?Kunde=1489&Modul=3&ID=19143 ), deshalb möchte ich hierzu nur kurz ein Selbstexperiment vorschlagen!


Ja, das ist mein Ernst! Legen Sie sich ein Halsband um und Ihr Partner nimmt Sie an die Leine. Nun ziehen Sie mal in eine Richtung und ihr Partner hindert Sie daran. Nicht so schlimm? Klar, Ihre Muskulatur (die beim Hund noch wesentlich besser ausgeprägt ist) hält viel ab, aber nichts desto trotz verlaufen im Hals empfindliche Strukturen, wie beispielsweise die Luftröhre, verschiedene Blutgefäße und Nervenstränge. Diese werden bei jedem Zug auf das Halsband zusammengepresst. Das kann auf Dauer nicht gut gehen.


Nun starten wir noch einen Versuch! Sie laufen mit Ihrem Partner (dieser hat Sie noch an der Leine) durch die Wohnung. Plötzlich ruckt Ihr Partner sehr unnett an der Leine (hat jeder von uns zumindest unbewusst schon bei seinem Hund), Sie hatten keine Zeit sich vorzubereiten und die Muskeln anzuspannen. Wie war das? Nicht schön? Tat weh? Was meinen Sie, was Ihr Hund dabei empfindet?


2. Psychologisch! Aus Sicht der Lerntheorie! Menschen, Hunde, Katzen, Kühe,.... eigentlich alle Lebewesen lernen durch klassische Konditionierung! Immer, 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag (insofern sie wach sind). Da können wir Garnichts gegen machen. Diese Lerntheorie begründete ein russischer Physiologe Namens Iwan Petrowitsch Pawlow. Wenn Sie mehr dazu wissen wollen, folgen Sie dem Link https://de.wikipedia.org/wiki/Klassische_Konditionierung


So können zum Beispiel Geräusche mit bestimmten Gefühlen verbunden werden. Das öffnen der Kühlschranktür kann mit Freude verbunden sein, wie auch mit Angst oder Unbehagen. Dies hängt davon ab, welche Erfahrungen Ihr Hund beim Öffnen des Kühlschranks gemacht hat. Bekommt er meist was Leckeres aus dem Kühlschrank oder bedeutet das Öffnen für ihn, dass er übelriechende, bittere Medikamente bekommt und dann auch noch gegen seinen Willen festgehalten wird?

Konditioniert werden können auch Bilder, Musik, Bewegungen, Personen, Tiere, Gerüche, Worte, Sätze, Orte und alle anderen Eindrücke.

Das bedeutet also:


Zwei Dinge (Reize) geschehen gleichzeitig - das Gehirn verbindet sie.


Nun kommen wir mal zum Halsband zurück!


Ihr Hund sieht einen Artgenossen. Er hat noch keine negativen Erfahrungen gemacht und möchte wohlmöglich nur mal „Hallo“ sagen. Er gibt Gas und zack – hängt er im Halsband! Nun haben wir ja gelernt, dass das Gehirn zwei Reize miteinander Verknüpft. Dieses Szenario kennt jeder Hundehalter und durch diese Verknüpfung im Gehirn kann Zweierlei passieren: Ihr Hund hat verknüpft, dass Artgenossen Schmerzen bedeuten. Nun hat er nicht viele Möglichkeiten:

  • Er kann versuchen auszuweichen, was durch die engen Wege und die Leine fast nicht möglich ist

  • Er kann mit Aggression reagieren, um diese Bedrohung zu vertreiben

  • Es kann passieren, dass er, wenn sie ihn zusätzlich noch an der Leine zurück reißen und mit Ihrem Hund schimpfen oder ähnliches, ihr Hund nicht weiß, was er tun soll.

Dies kann, wenn keine Abhilfe kommt, der Anfang der sogenannten erlernten Hilflosigkeit sein! Man könnte auch sagen: Ihr Hund hat aufgegeben.

Erlernte Hilflosigkeit ist eine Folge von Kontrollverlust, die ein Hund (aber auch jedes andere Lebewesen) in einer Situation erfahren kann. Egal was er tut, es bringt ihm nichts. Normalerweise würde ein Hund auf eine Situation oder einen Konflikt mit Beschwichtigung, Angst, Aggression oder auch Nervosität reagieren. Doch wenn er gelernt hat, dass er mit keiner Variante weiter kommt, dann bleibt ihm nichts mehr und er fällt in die erlernte Hilflosigkeit. Hunde, die an der erlernten Hilflosigkeit leiden, zeigen oft Verhaltensweisen wie

  • keine Eigeninitiative

  • geringe Stresstoleranz

  • Abschalten beim Training

  • Unaufmerksamkeit

  • Teilnahmslosigkeit

  • Trainingsverweigerung

  • stoisches Ertragen von Handlungen des Menschen

Die gute Nachricht: Die Verbindung dieser Reize kann durch Training verstärkt, verändert oder wieder gelöscht werden. Und der Mensch kann lernen die Sprache seines Hundes zu lesen.

Nun kommt die Frage nach dem richtigen Geschirr?!


Auch dort kann ich keine allgemeingültige Aussage treffen, denn es ist genau wie mit Ihrer Kleidung. Jeder Hund ist anders gebaut, aber es gibt natürlich ein paar Sachen, auf die man achten sollte:

Für mich sind das frei bewegliche Schulterblatt und der richtige Sitz am Brustbein am wichtigsten. Außerdem sollten möglichst verschiedene Einstellmöglichkeiten zur individuellen Anpassung vorhanden sein. Auch auf Polsterung lege ich Wert, vor allem bei Kurzhaarhunden.

  • Das sogenannte Y-Geschirr ist ein Allrounder, wo die Schulterblätter frei arbeiten können. Es ist darauf zu achten, dass das Geschirr vorne auf dem Brustbein anliegt und nicht oberhalb.

  • Das Norweger Geschirr finde ich aufgrund der extremen Einschränkung der Schulterblätter nicht geeignet. Außerdem verrutscht dies meist bei Zug und drückt in den Hals.

  • Auch beim X Geschirr werden die Schulterblätter nicht in ihrer natürlichen Bewegung eingeschränkt. Die Gurte überkreuzen sich die Gurte meist auf dem Rücken, können somit auch nicht so schnell verrutschen und verteilen die Zug- und Scherkräfte optimal.

Es ist nicht ganz einfach das richtige Geschirr für seinen Hund zu finden, deshalb empfehle ich, sich im Fachhandel beraten zu lassen und verschiedene Modelle anzuprobieren. Vorsicht: Nicht immer gibt es im Fachhandel auch eine kompetente Fachberatung. Lassen sie sich Zeit und seien sie kritisch.


Beispielsweise werden meine Hunde am SaftyGeschirr Zero DC von Uwe Radant und/oder dem AnnyX Geschirr Protect geführt. Das führe ich als Beispiel an, da diese Marken leider nicht hier im Umkreis im Handel erhältlich sind. Aber auf der jeweiligen Internetseite werden die verschiedenen Modelle und deren Eigenschaften sehr gut beschrieben. Ebenfalls gut beschrieben ist, wie Sie die richtige Größe und Passform ermitteln können.

Im Internet finden sie auch Anbieter, die maßangefertigte Geschirre herstellen.


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